Das Geld

Wie viel Geld wurde gestohlen?

2.631.684 englische Pfund Sterling (nach anderen Quellen 2.595.998).

Wer wissen möchte, warum es "Pfund Sterling" heißt, ist bei diesem Link an der richtigen Adresse.

Wie viel ist das in heutiger Währung?

Über diese Frage wird gerne (z.B. bei Wikipedia) gefachsimpelt. Einige sagen, "2,6 Millionen Pfund sind 2,6 Millionen Pfund - Basta!" Diese Aussage ist durchaus korrekt und überlegenswert. Wir wollen aber trotzdem wissen, welchen Wert dieses Geld damals für die Menschen in England darstellte.

Es gibt durchaus belastbare Wege, das zu errechnen: 2006 hat das englische Unterhaus (House of Commons) ein Dokument veröffentlicht, aus dem die Wertentwicklung des Pfund Sterling von 1750 bis 2005 hervorgeht. Interessierte finden es hier. Demnach ist ein Pfund in 1963 ziemlich genau das 14-fache (!) eines Pfundes von 2005 wert. Anders gesagt, die 2,6 Millionen Pfund Sterling von 1963 entsprechen 36,9 Millionen Pfund Sterling von 2005. Das sind zwischen 52 und 57 Millionen Euro. (Der Euro-Kurs schwankte 2003-2006 zwischen 65 und 70 Pence)

Ähnliche Zahlen ergeben sich auch bei anderen Rechenwegen. Das gestohlene Geld entsprach nach damaligem Wechselkurs ca. 29,5 Millionen DM. Berücksichtigt man die Geldentwertung im DM-Bereich seit 1963, so käme man auch hier auf rund 100 Millionen DM oder 51 Millionen Euro in 2005. Auch „Oberposträuber“ Reynolds nannte 1995 in seiner Autobiographie das Äquivalent von ca. 30 Millionen Pfund, mithin heute grob 50 Millionen Euro. Reißerische Zeitungsberichte nennen gerne Beträge wie etwa „100 Millionen Dollar/Euro in heutiger Währung“ – das ist aber übertrieben.

Woher kam das Geld?

Das Geld war sogenannter „surplus cash“, also überzähliges Bargeld, das die schottischen und einige nordenglischen Banken auf diesem Weg regelmäßig zu ihren Londoner Zentralen bzw. Niederlassungen schickten. Dabei wurden möglichst ältere oder besonders abgegriffene Banknoten zuerst geschickt; diese wurden dann von den Zentralen bei der Bank von England gegen "frische" Banknoten ausgetauscht. Besser erhaltene Scheine wurden von den Londoner Zentralen dagegen wieder zu anderen Filialen weitergegeben, die mehr Cash brauchten, weil in ihrem Bereich z.B. viele Barauszahlungen erfolgten (etwa in den großen Industrieregionen, wo viele Arbeiter ihren Lohn in Bar bekamen).

Ganz überwiegend waren es an diesem Tag „kleine“ Scheine, also 1- und 5- Pfund Banknoten, was in heutigem Wert aber immerhin 20- und 100-Euro-Scheinen entspräche.

War das Geld komplett zur Vernichtung vorgesehen?

Nein. Ein Teil wäre von den Banken bei der Bank of England gegen neue Scheine ausgetauscht worden, die die alten Scheine anschließend vernichtet hätte. Ein anderer Teil aber wäre innerhalb der einzelnen Banken an andere Niederlassungen weitergegeben worden. Also ist die Aussage falsch, das Geld sei ohnehin schon aus dem Verkehr gezogen gewesen und habe niemandem mehr "gefehlt". Zum Zeitpunkt des Raubes befand sich das Geld im Besitz der Banken und war weder zur Vernichtung abgegeben noch definitiv dafür bestimmt.

Was ist aus dem Geld geworden?

Von den 2.631.684 gestohlenen Pfund konnten bis heute nur 336.534 wiederbeschafft werden, also knapp 13% oder 1/8. Diese Zahl ist seit Ende 1964 unverändert. Die größten Einzelposten:

- in den Autos von Boal und Cordrey in Bornemouth: 134.982

- in einer Sporttasche der Fields auf einer Lichtung im Wald nahe Dorking: 100.900

- in einer Telefonzelle: 47.245

- im Wohnwagen von James White: 36.000

- Roy James bei seiner Verhaftung: 12.000

- im Zimmer von Boal und Cordrey: 5.910

Ansonsten wurden noch einige kleinere Beträge im persönlichen Besitz von anderen Posträubern gefunden, als man sie fasste. Der Rest von 2.295.150 Pfund wurde ausgegeben, vergraben, ins Ausland geschafft oder den Posträubern schlicht gestohlen.

Insbesondere die länger flüchtigen Biggs, Reynolds, Wilson, Edwards und (weniger lange) White haben auf ihren jahrelangen Odysseen rund um den Erdball ihren Anteil wohl restlos ausgegeben – für Luxus, aber auch für Schweige- und Schmiergelder, für die Fluchthelfer aus Gefängnissen sowie für falsche Papiere. Ob die anderen Posträuber ihre Anteile dauerhaft beiseite schaffen konnten, wird wohl immer im dunkeln bleiben - auch, weil die weitaus meisten Scheine nicht registriert waren.

Es wird also wohl auch nie wieder Geld aus dem Postraub auftauchen - wenn doch, wird man es mangels registrierter Nummern nicht beweisen können.

Hatte die englische Währungsreform von 1971 Auswirkungen für die Posträuber?

Möglicherweise. Die englische Presse spekulierte zumindest in Karikaturen darüber (siehe dieses Link).

Am 15.2.1971 wurde das britische Währungssystem nach fast 150 Jahren Diskussion auf das Dezimal-System umgestellt. Streng genommen war dies jedoch keine Währungsreform, da das Pfund und auch seine Scheine bestehen blieben. Vielmehr änderte sich nur der „Unterbau“:

Zuvor entsprach ein Pfund 20 Shilling zu je 12 Pence. Nun wurde der Schilling abgeschafft und ein Pfund entsprach 100 New Pence. Die alten Shilling- und Pence-Münzen behielten noch bis in die 80er Jahre ihre Gültigkeit und wurden entsprechend umgerechnet; 1 Shilling entsprach nun 5 New Pence.

Beim Postraub war auch ein gewisser Anteil an 10-Shilling-Noten ("ten bob note") dabei, sie wurden bereits im Vorfeld der Umstellung nicht mehr herausgegeben und waren schon ab November1970 kein „gesetzliches Zahlungsmittel“ mehr. In diesem Zusammenhang gab es Überlegungen, die Posträuber könnten versuchen, die „Ten Bob Notes“ aus ihrem Bestand umzutauschen. Zu auffälligen Aktionen kam es jedoch nicht.