In Memoriam

Bruce Richard Reynolds (1931-2013)

Am 28. Februar 2013 ist der Anführer der Posträuber, Bruce Reynolds, im Alter von 81 Jahren in London gestorben. Sein Sohn Nick berichtete, er habe sich in den letzten Tagen nicht wohl gefühlt und sei im Schlaf gestorben. Ein friedlicher und gnadenvoller Tod also. 

Es sei ihm gegönnt, denn Reynolds war zwar ein Krimineller, aber kein Gewalttäter. Er hat für die meisten seiner Taten immer wieder lange Jahre im Gefängnis verbracht, für den Postraub allein hat er zehn Jahre (1968-1978) gesessen. Danach hat er, wenn auch mit einigen Schwierigkeiten, ein durchaus respektables Leben als Buchautor und "Gentleman im Ruhestand" geführt - allerdings in relativer Armut, ein Sozialverband hatte in den letzten Jahren finanziell für ihn gesorgt. 

Für mich war die Lektüre seiner Erinnerungen ("Autobiography of a Thief") neben dem Gentlemen-Dreiteiler des NDR eine wesentliche Inspiration zu dieser Webseite. So habe ich wohl einen kleinen Beitrag zu Reynolds Bekanntheit in Deutschland geleistet. Vorher waren hierzulande eigentlich nur Ronnie Biggs und (nach dem Film mit Phil Collins) Buster Edwards bekannt. Mein Wunsch, ihn persönlich kennenzulernen, ist leider nicht mehr wahr geworden. Das hatte ich befürchtet, seit mir eine Mitarbeiterin von "Galileo Mystery", die ihn auf meinen Rat für kurze Dreharbeiten 2009 nach Deutschland geholt hatte, von der körperlich geschwächten Erscheinung des freundlichen Kettenrauchers berichtet hatte.

Für die kleine Gemeinde der am historischen Postraub Interessierten im deutschsprachigen Raum ist dies ein sehr trauriger Tag. Wir hatten gehofft, Bruce vielleicht für das 50-jährige Jubiläum am 8. August 2013 nach Cheddington einladen zu können. Nun hat das aus meiner Sicht sehr an Reiz verloren, denn ohne ihn fehlt das "Mastermind".

Die Zeitungen, vor allem die englischen, sind voll von Nachrufen für diesen bemerkenswerten, weil hochintelligenten und in seiner seltsamen "Ethik" so einzigartigen Mann.  Beispielhaft: The Guardian.

Zum Abschluss ein Wort von seinem Darsteller Horst Tappert, der ihm 1968 ins Gefängnis schrieb, dass er ihm seine Karriere verdanke, und ihn nach seiner Entlassung 1978 kennenlernte: "Der Kerl war so nett - hätte er mir vorgeschlagen, bei einem Ding mitzumachen, ich hätt's mir überlegt!"

Ruhe in Frieden, Bruce.

Uwe Johann